Herbertstrasse 15

 

Die Straße ist benannt nach dem Sohn Otto von Bismarcks Herbert (1849-1904). Er war Staatssekretär im Auswärtigen Amt, preußischer Staatsminister und war einer der engsten Vertrauten seines Vaters. Der jüdische Verleger Dr. George Bondi lässt 1901 vom Architekt Max Ravoth die Villa auf einem Grundstück in der Straße Nr.6 bauen. Das Grundstück ist ungefähr 1200 qm groß, die Wohnfläche beträgt 655 qm. Das Haus hat ein Souterrain (Kellerwohnung), zwei Etagen und ein Dachgeschoss.

Geschichte:

1933 verlässt der jüdische Verleger Berlin und geht nach China . Dort verstirbt er 1936 und vererbt das Haus an seine Adoptiv - und an seine Stieftochter. Emmi Ochs führt das Haus zur Zeit des Nationalsozialismus als privates Wohnheim für alte, überwiegend jüdische Leute. 1939 musste sie, da sie selbst Jüdin war, die Leitung des Hauses an Frau Johanna Lehmann abgeben. Sie und ihre Freundin Stephanie Grossmann versuchten, Emmi Ochs und deren Tochter vor dem Abtransport in ein Lager zu schützen , was jedoch misslang. Im Haus wohnten etwa zwanzig, meist jüdische Personen, am Mittagstisch nahmen oft bis zu 60 Personen teil. Es gelang Johanna Lehmann , viele der sehr alten jüdischen Heimbewohner zu schützen, wobei ihr Polizisten der um die Ecke gelegenen Polizeiwache in der Herthastraße 6 halfen.

 

Vor SS-Kontrollen wurde Frau Lehmann vom Polizisten Herrn Wendt gewarnt, so dass sich die gefährdeten jüdischen Bewohner rechtzeitig verstecken konnten. Außerdem meldeten die Polizisten der Wache viele Personen als bereits deportiert, obwohl sie noch im Heim lebten. Das Essen für die versteckten Leute brachte sie aus dem Krankenhaus mit, in dem sie als Krankenschwester arbeitete. Dafür, dass Frau Lehmann so vielen jüdischen Menschen geholfen hat, erhielt sie vom Berliner Senat eine monatliche Ehrenrente von 238 DM. Die Villa bleibt während und nach dem Krieg unbeschädigt. Bis 1961 wird das Haus weiter als privates Altenheim geführt. 1961 kauft der Architekt Witt den Park des Altenheimes (der während des Krieges Gemüsegarten war), das heutige Grundstück Herbertstraße Nr. 13. 1963 baut er für sich und seine Familie darauf ein Haus im Bungalowstil.1968 erwerben es Cornelia und Norberto Schrinner.1980 baut der Architekt P.A. Herms auf die Grundmauern ein Drei-Familienhaus für die Familie Schrinner. Bei den Ausgrabungen für den Öltank werden alte Skulpturen und eine Vogeltränke aus dem ehemaligen Park des Altenheims gefunden.

        

 

In der Villa Herbertstraße Nr. 15 verbleiben noch zwei Mieter. Ende der 70er Jahre erwirbt Herr Roderich Goldmann das Haus. Er restauriert es ab 1979 aufwendig, wohnt selbst darin und vermietet Teile des Hauses. Seit 1998 ist die Villa komplett vermietet an die Vertretung von Taiwan. Dr. Hu bewohnt mit seiner Frau, seinem Sohn und zwei Hausangestellten 17 Zimmer, 7 Bäder sowie 3 Küchen.

 

Von Maxie Schrinner Klasse 4a 2004/05