Fontanestrasse. 21/23

 

Landhaus Schreckhas

 

Seit 1889 entstand am westlichen Ende des Berliner Westens ein neues nobles Wohnviertel, die Villenkolonie Grunewald. Fürst Bismarck hatte persönlich dafür gesagt, dass der preußische Fiskus 234 Hektar Waldgebiet an ein Bankenkonsortium verkaufte. Das für Villenkolonie vorgesehen sumpfige Waldgelände wurde zunächst trockengelegt, wodurch die künstlich angelegten Grunewaldseen Diana-, Königs-, Hertha- und Hubertussee entstanden. In der Kolonie Grunewald siedelten sich vor allem Bankiers, Unternehmer, Professoren, erfolgreiche Künstler und Schriftsteller an, die bis zur Eingemeindung 1920 die Steuervorteile der Landgemeinde Grunewald genossen. Die weltbekannte Opernsängerin Lilli Lehmann war eine der ersten Bewohnerinnen. Viele Persönlichkeiten ließen sich hier nieder, die Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft des ausgehenden Kaiserreichs und vor allem d

er Weimarer Republik entscheidend prägten. So wurde Grunewald nicht nur ein Wohnviertel für Millionäre, sondern ein kulturelles Zentrum. Das Landhaus Schreckhas, ein Baudenkmal der Villenkolonie Grunewald, wurde von dem Architekten Otto March (1845-1913) im Jahre 1893 gebaut. Dessen Tätigkeit im Landhhaus wurde nach seiner Englandreise von 1888 vom dortigen Bauschaffen maßgeblich beeinflusst. Individuelle Grundrisse nach den Wünschen der Bauherren und die Eingliederung der Werke in deren Umgebung zeichneten March aus. Bei dem Landhaus in der Fontanestr.21/23 ist der im englischen Landhausbau herrschende Erfahrungsschatz befolgt worden. Ein in seinen Flächen gut zusammengeschnittenes und völlig ruhig gehaltenes Dach gewährleistet die für die Schönheit der Erscheinung notwendige Ruhe auch bei lebhafter Umrisslinie des Grundrisses. Der von March bestimmte Verzicht auf vielleicht absichtlich und daher verstimmend wirkende Buntheit der Details wird durch die weiß gefassten Holzpartien sichtbar. Die Farbigkeit der Gesamtanlage wird lediglich durch rote Ziegel und Dachpfannen sowie weiße Putzflächen und grüne Holzteile erzeugt.

Von Sarah Langner Klasse 4a 2004/05